header logo de

Therapieoptionen bei Nierenkrebs verstehen

1 in 20 webJährlich wird bei mehr als 300.000 Menschen weltweit „Nierenkrebs" festgestellt. Damit liegt diese Krebserkrankung derzeit auf Platz 12 der häufigsten Tumorarten, gemeinsam mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Tatsächlich haben hierzulande weniger als 1 von 20 Krebspatienten Nierenkrebs, es handelt sich also um eine eher seltene Erkrankung. Weiterführende Informationen zu Nierenkrebs-Statistiken verschiedener Länder in englischer Sprache finden Sie hier: Nierenkrebs-Statistiken

Im Folgenden erfahren Sie mehr zum Thema Nierenkrebs – von verschiedenen Nierenkrebs-Typen, bekannten Ursachen und möglichen Behandlungsansätzen. Obwohl die Behandlung in den vergangenen 10 Jahren große Fortschritte gemacht hat, ist der Bedarf an Forschung und neuen Therapien weiterhin hoch. Dazu zählen auch die neuen immunonkologischen Therapien, die derzeit im Fokus der Forschung stehen. Weitere Informationen über die immunonkologischen Behandlungen erhalten Sie hier: Immunonkologie verstehen

 

1. Was ist Krebs?

Fotolia 61364218 S web3D-Rendering von KrebszellenKrebs, Tumor, Raumforderung, Beule, Schwellung, Schatten, Läsion ... vielleicht haben auch Sie schon einmal eines dieser Worte zur Beschreibung von Krebs gehört. Ein eher medizinischer Begriff wäre „Neoplasie“, was so viel bedeutet wie „Neubildung/Wachstum von Körpergewebe“. Medizinische Experten würden Krebs definieren als "Neoplasien von abnormalem Gewebe, die durch eine Fehlregulationen des Zellwachstums entstehen“.

Doch das lässt sich auch einfacher ausdrücken. Unser Körper besteht aus einer Vielzahl von Zellen. Jedes Gewebe, jedes Organ, jeder Teil unseres Körpers besteht aus diesen Zellen, die sehr unterschiedlich sein können, je nachdem, ob sie sich in der Leber, im Herz, im Blut oder in den Nieren befinden. Ständig ist unser Körper damit beschäftigt, neue Zellen zu produzieren, damit wir wachsen können oder um veraltete und abgenutzte Zellen zu ersetzen und beschädigte nach einer Verletzung zu heilen. Gewöhnlich läuft dieser Vorgang sehr kontrolliert ab.

Wenn Sie sich zum Beispiel in den Finger schneiden, erhalten die Hautzellen ein Start-Signal zur Zellteilung. Ist der Schnitt verheilt, bekommen die Zellen ein „Stopp“ Zeichen und das Wachstum wird beendet. Dieser Prozess wird durch Anweisungen und „Bauanleitungen“ in den Zellen, den "Genen", gesteuert. Alle Krebserkrankungen werden durch Veränderungen dieser Gene, so genannten Mutationen, verursacht. Die Folge: die Zellen erhalten kein „Stopp-Signal“ mehr und teilen und vermehren sich unkontrolliert, ein Tumor entsteht. Veränderungen an den Genen, die dann Krebs verursachen, bilden sich in der Regel im Laufe unseres Lebens, sehr selten werden diese Mutationen von einem Elternteil an die Kinder weiter gegeben.

Es gibt viele verschiedene Krebsarten und die Erkrankung kann an fast jeder Stelle im Körper auftreten. Wo sich der Krebs genau befindet, welche Art von Tumor Sie haben und welche genetischen Mutationen diesen verursacht haben, ist ausschlaggebend für die Art der Behandlung.

2. Was ist Nierenkrebs?

kideny with tumourGraphik einer Niere mit TumorNierenkrebs ist eine Krebsart, die in der Niere entsteht. Meist ist damit das am häufigsten auftretende "Nierenzellkarzinom" gemeint. Daneben gibt es noch andere Formen, wie beispielsweise das Nierenbeckenkarzinom oder das Nierensarkom. Krebsarten, die beispielsweise vom Harnleiter oder der Harnröhre ausgehen, ähneln meist eher dem Blasenkrebs, und zählen daher nicht zur Gruppe der Nierenkrebs-Arten.

Das bedeutet also: Nierenkrebs ist nicht gleich Nierenkrebs. Es ist sehr wichtig, dass Sie die genaue Art Ihrer Erkrankung kennen (mehr dazu erfahren Sie in Frage 3 „Die häufigsten Nierenkrebstypen).

Da die Mutationen, die Krebs verursachen, in der Regel im Laufe unseres Lebens entstehen, tritt Nierenkrebs, wie die meisten anderen Krebsarten auch, eher bei älteren Menschen auf. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 55 Jahren. Bei Kindern ist Nierenkrebs eher selten. Zu Beginn der Erkrankung sind Nierentumoren noch klein, nehmen aber im Laufe der Zeit an Größe zu. Gewöhnlich wächst der Nierenkrebs als ein einziges, kompaktes Geschwür, jedoch können eine oder auch beide Nieren mit mehr als einem Tumor befallen sein.

Ist der Krebs noch auf die Niere beschränkt, spricht man von einer lokalisierten Erkrankung. Wird er in diesem frühen Stadium behandelt, kann er meist geheilt werden. Haben die Nierenkrebszellen jedoch Zeit, sich zu vermehren und auszubreiten, können sie in das umgebende Gewebe oder in andere Teile des Körpers vordringen. Erreichen sie ein neues Organ oder Knochen, können sie dort weiterwachsen und bilden Tochtergeschwülste, so genannte "Metastasen". Fortgeschrittener oder metastasierter Nierenkrebs hat also seinen Ursprung in der Niere, konnte sich aber bereits in andere Organe ausgebreiten.

Wichtig zu wissen: Die Metastasen gehen von Nierenkrebszellen aus, selbst wenn sie in anderen Organen des Körpers, wie zum Beispiel der Lunge, erscheinen. Es handelt sich dann auch nicht um Lungenkrebs, sondern um einen metastasierten Nierenkrebs, der entsprechend behandelt werden muss. Dagegen kommt es nur sehr selten vor, dass andere Krebsarten in die Nieren wandern und sich dort niederlassen.

 

3. Die häufigsten Nierenkrebstypen?

kidney cancerNierenkrebs ist nicht gleich Nierenkrebs. Er kann:

  1. in verschiedenen Zellen der Niere entstehen und hat somit unterschiedliche "Erscheinungsformen" oder "Unterarten" (weitere Informationen finden Sie unter "Histologie"),
  2. eher langsam wachsen oder aggressiv sein (siehe "Grading – Grad der Differenzierung"),
  3. kann größer oder kleiner sein, und sich außerhalb der Niere ausbreiten (siehe "Stadium").

All diese Faktoren können beeinflussen:

  • wie aggressiv der Tumor ist und wie wahrscheinlich es ist, dass er sich ausbreitet.
  • welche Behandlung(en) (falls vorhanden) Sie erhalten sollten.
  • an welchen klinischen Studien Sie teilnehmen können.


Histologie

Nierenkrebs lässt sich in verschiedene "Erscheinungsformen" oder "Unterarten" einteilen, je nach Aussehen der Krebszellen unter dem Mikroskop (der so genannten "Histologie"). Der Nierenkrebstyp ist für die Operation meist nicht von Bedeutung, kann aber entscheidend sein, wenn es um die weitere Behandlung geht.

Man unterscheidet folgende Nierenkrebstypen:

histo web75% Klarzelliges Nierenzellkarzinom, ca. 10-15% papilläres Nierenzellkarzinom, chromophobes Nierenzellkarzinom ca. 5% und weniger als 1% andere
  • Klarzelliges Nierenzellkarzinom: Die häufigste Form von Nierenkrebs, die etwa in 75% der Fälle auftritt. Unter dem Mikroskop betrachtet, erscheinen die Krebszellen leer oder klar.
  • Papilläres Nierenzellkarzinom: bei ca. 10% bis 15% der Erkrankten liegt diese Form des Nierenkrebses vor. Unter dem Mikroskop zeigen sich kleine fingerartige Wedel (so genannte Papillen, daher "papillär").
  • Chromophobes Nierenzellkarzinom: Macht ca. 5% der Nierenkrebserkrankungen aus. Die Zellen dieser Krebsarten sind groß und blass, und zeigen weitere eindeutige Unterscheidungsmerkmale.
  • Sarkomatoides Nierenzellkarzinom: einige der anderen Krebsarten können sich in ein sarkomatoides Nierenzellkarzinom verwandeln. Das Aussehen der Krebszellen unter dem Mikroskop ist aggressiv und ungeordnet.
  • Translokationskarzinom: eine seltene Form des Nierenkrebses, die vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt. Translokationskarzinome wurden in einigen Fällen auch bei Patienten beobachtet, die eine Chemotherapie, zum Beispiel zur Therapie einer anderen bösartigen Erkrankung, zur Vorbereitung auf eine Knochenmarktransplantation oder zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung erhalten hatten.
  • Urothelkarzinome: Auch Übergangszellkarzinom genannt. Dies sind Krebserkrankungen, die zwar in der Niere liegen, aber aus dem Gewebe der ableitenden Harnwege entstehen und nicht aus den Nierenzellen. Daher sind sie dem Blasenkrebs sehr ähnlich.
Um zu erfahren, welcher Nierenkrebs-Typ bei Ihnen vorliegt, sehen Sie in Ihrem Pathologie-Bericht nach oder fragen Sie Ihren Arzt.  

Grading – Grad der Differenzierung

Hinsichtlich der Aggressivität ist jeder Tumor anders. Sie wird mit dem so genannten Grading, dem Grad der Differenzierung, bestimmt. Dieser lässt sich durch eine Untersuchung des Tumorgewebes unter dem Mikroskop feststellen: Sehen die Krebszellen nahezu gleichmäßig und geordnet aus und sind den normalen Nierenzellen noch sehr ähnlich, sind sie „gut differenziert“. Ist die Anordnung unorganisiert und die Zellen in Größe und Form stark unterschiedlich, gelten sie als „undifferenziert“. Je undifferenzierter die Zellen werden, desto aggressiver wächst der Tumor.

gradesZellen von hoher Differenzierung (sehen normalen Zellen noch sehr ähnlich) bis zur geringen Differenzierung rechts (die Zellen sind sehr unorganisiert und in unterschiedlicher Zellform)

 

Staging – Das Stadium der Erkrankung

Das Stadium der Krebserkrankung bemisst sich nach der Größe des Tumors und danach, ob und wie weit er sich bereits ausgebreitet hat. Dies hilft bei der Planung der Behandlung und Nachsorge. Wenn die Stadien-Einteilung allein auf der klinischen (also körperlichen) Beurteilung basiert, wird dies als klinisches Staging bezeichnet. Die mikroskopische Untersuchung des betroffenen Gewebes bestimmt das "pathologische" Staging. Das Staging ist ein standardisierter Wert, mit dem der Tumor und der Grad der Ausbreitung beschrieben werden können.

Ihr Arzt bestimmt das Stadium der Erkrankung basierend auf:

  1. der Größe des Tumors ("T-Stage").
    2. der Ausbreitung des Krebses auf nahe gelegene Lymphknoten ("N-Stage", N= Teil des Immunsystems ist und die weißen Blutkörperchen beherbergt. Leider wandern Krebszellen gerne in die Lymphknoten.
    3. der Ausbreitung des Krebses in andere Organe (z.B. Metastasen in der Leber, Lunge oder Knochen, "M-stage").
Die vier unten aufgeführten Nierenkrebs-Phasen basieren auf diesem TNM-Staging-System, das eine häufig verwendete Methode für die Einteilung des Nierenkrebses darstellt.
Stage 1                                    stage1 web
 
 
Der Krebs ist auf die Niere begrenzt und hat sich nicht ausgebreitet.
Der Tumor ist kleiner als 7cm.
Wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann, führt die Operation möglicherweise zu einer Heilung der Erkrankung. 9 von 10 Patienten sind auch fünf Jahre nach der Operation noch "tumorfrei". 
Stage 2  stage2 web
 
Der Tumor ist größer als 7cm, ist aber immer noch auf die Niere beschränkt. 
Die Operation ist auch hier eine gute Methode zur Behandlung. 
Die 5-Jahres Überlebensrate nach erfolgter Operation ist auch hier noch sehr hoch.
Stage 3  stage3 web
 
Der Nierenkrebs hat das umliegende Weichgewebe befallen, sich aber noch nicht in andere Organe ausgebreitet. 
Der Tumor kann sich zum Beispiel im Fettgewebe um die Niere, in der Nierenvene oder den Lympgknoten befinden.
Die Operation ist auch in diesem Stadium oftmals die richtige Behandlung. Die Möglichkeit durch eine Operation Heilung zu erzielen ist niederiger, aber noch vorhanden.  
Stage 4 
 stage4 webmetastases
 
Der Nierenkrebs hat sich weit über die Niere hinaus ausgebreitet: in die Bauchhöhle, die  Nebennieren, die Lymphknoten oder andere Organe wie die Lungen, Leber, Knochen oder das Gehirn. In diesem Stadium kann die Erkrankung zum derzeitigen Moment kaum geheilt werden, einige hilfreiche Behandlungsmöglichkeiten sind jedoch vorhanden. 

 

4. Was sind die Ursachen für Nierenkrebs?

Risk factorsWie die meisten anderen Krebsarten, entsteht auch Nierenkrebs durch Fehler (Mutationen) in den Zellen, die im Laufe des Lebens entstehen können. Meist tritt die Erkrankung daher bei Erwachsenen mit einem Alter von mehr als 40 Jahren auf. Auch bei Nierenkrebs ist nicht bekannt, warum manche Menschen erkranken und andere nicht. Allerdings gibt es verschiedene Risikofaktoren, die die Entstehung eines Tumors begünstigen können:

  • Rauchen: Rauchen verdoppelt das Risiko für die Entstehung von Nierenkrebs. Wird das Rauchen eingestellt, geht das Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken wieder auf das Niveau der Normalbevölkerung zurück. Daher: Mit dem Rauchen aufzuhören ist jederzeit und in jedem Alter sinnvoll. Es ist nie zu spät.
  • Geschlecht: Männer sind doppelt so häufig von Nierenkrebs betroffen wie Frauen.
  • Übergewicht: Deutliches Übergewicht oder Fettleibigkeit scheinen mit einem erhöhten Risiko für Nierenkrebs sowohl bei Männern als auch bei Frauen einher zu gehen.
  • Bluthochdruck (Hypertonie): Auch hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor für Nierenkrebs.
  • Nierensteine: Bei Männern ist das Vorliegen von Nierensteine ist mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Nierenkrebs verbunden.
  • Arbeiten mit toxischen Verbindungen: Bei Personen, die in der Eisen- und Stahlindustrie arbeiten und/oder regelmäßig bestimmten Chemikalien ausgesetzt sind, kann ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung vorliegen. Zu diesen Chemikalien gehören Asbest, Blei, Cadmium, Trockenreinigungslösemittel, Herbizide, Benzol oder organische Lösungsmittel und Mineralölprodukte.
  • Langzeit-Dialyse und erworbene zystische Krankheit: Eine Dialysebehandlung über einen längeren Zeitraum kann zu Zysten in den Nieren führen. Aus den Zellen dieser Zysten kann im Laufe der Zeit Nierenkrebs entstehen.
Wenn Sie an weiteren Informationen zu diesen Risikofaktoren interessiert sind, besuchen Sie bitte die Website der International Kidney Cancer Coalition oder kontaktieren Sie eine Nierenkrebs-Patientenorganisation in Ihrer Nähe: International Kidney Cancer Coalition
 

Hat meine Familie ein besonders hohes Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken?

Hereditary

Tritt in der Familie Nierenkrebs auf, haben eventuell auch andere Familienmitglieder ein erhöhtes Risiko. Dies gilt besonders für Geschwister von Erkrankten. Ein Grund dafür können bestimmte Gene sein, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden. Kein Grund zu übermäßiger Sorge: lediglich 3-5% aller Nierenkrebs-Fälle werden durch Genmutationen verursacht, trotzdem sollten Sie wachsam sein.

Anzeichen dafür, dass Ihr Nierenkrebs erblich sein könnte, sind:

  • Sie haben mehr als einen Tumor in Ihrer Niere (multifokale Tumoren)
  • Sie haben Tumoren in beiden Nieren (bilaterale Tumoren)
  • Sie haben eine seltene Form von Nierenkrebs (ein nicht klarzelliges Nierenzellkarzinom)
  • andere Mitglieder Ihrer Familie haben oder hatten ebenfalls Nierenkrebs
  • Nierenkrebs wurde vor Ihrem 50. Lebensjahr festgestellt.
Sollte eines dieser Anzeichen bei Ihnen zutreffen und Sie glauben, dass Sie eine erbliche Form des Nierenkrebses haben könnten, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt darüber.
 

Die verschiedenen Typen des erblichen Nierenkrebses

Es gibt verschiedene Arten von erblichem Nierenkrebs. Sicherlich wird es in Zukunft weitere Erkenntnisse zu möglichen relevanten Genveränderungen geben. Bis dahin sprechen Sie jedoch bitte mit Ihrem Arzt, wenn Sie denken, auch bei Ihnen könnte eine erbliche Variante vorliegen.

  • Von Hippel-Lindau(VHL). -Syndrom Dies wird durch eine Mutation im VHL-Gen verursacht und führt in der Regel zu einem klarzelligen Nierenzellkarzinom.
  • Hereditäre Leiomyomatose und Nierenzellkrebs (HLRCC). Dieser wird durch eine Mutation im FH-Gen verursacht und bewirkt meist die Entstehung eines papillären NierenzellkarzinomsTyp-2.
  • Hereditäres papilläres Nierenzellkarzinom (HPRCC). Dies wird durch eine Mutation im MET-Gen verursacht und führt in der Regel zu einem papillären Nierenzellkarzinom Typ-1.
  • Birt-Hogg-Dubé-Syndrom (BHD). Dies wird durch eine Mutation im FLCN Gen verursacht und zeigt sich in einem chromophoben Nierenzellkarzinom oder Onkozytom.
  • Nierenzellkarzinom mit erblichem Paragangliom und Phäochromozytom. Dies wird durch Mutationen im SDHB oder SDHD Gen verursacht.
  • Familiäres Chromosom-3-Translokations-Nierenzellkarzinom. Dies wird durch eine Chromosom-3-Translokation verursacht. Eine Translokation liegt vor, wenn ein Teil eines Chromosoms abbricht und sich auf ein anderes Chromosom legt.
  • Tuberöse Sklerose (TSC). Diese wird durch eine Mutation im TSC1- oder TSC2-Gen verursacht und führt in der Regel zu einer bestimmten Form von Nierenkrebs, genannt Angiomyolipom. Diese Tumoren sind gutartig, verfügen aber über eine große Anzahl von Blutgefäßen, die platzen und zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen können, wenn sie nicht behandelt werden.

Wenn es mehrere Fälle von Nierenkrebs in Ihrer Familie gibt, sollten Sie dies Ihrem Arzt unbedingt mitteilen, so dass Sie auf eine erbliche Form getestet werden können. Wenn der Test zeigt, dass tatsächlich eine erbliche Form vorliegt, können andere Mitglieder Ihrer Familie ebenfalls untersucht werden. So kann eine eventuelle Erkrankung frühzeitig erkannt und bereits bei ersten Anzeichen behandelt werden.

In seltenen Fällen können auch Kinder Nierenkrebs bekommen. Sie entwickeln jedoch meist andere Formen als Erwachsene. Die häufigsten Arten von Nierenkrebs bei Kindern sind der Wilms-Tumor und das Nephroblastom. Allerdings treten auch sehr selten Nierenzellkarzinome bei Kindern oder auch Wilms-Tumoren bei Erwachsenen auf. Darüber hinaus gibt es noch andere, meist gutartige Tumoren der Niere.

5. Wie macht sich Nierenkrebs bemerkbar?

Oftmals verursacht Nierenkrebs überhaupt keine Symptome und wird zufällig bei Untersuchungen aufgrund anderer Probleme erkannt. Es gibt zwar erste mögliche Erkennungszeichen. Diese sind jedoch sehr unspezifisch und könnten auch viele andere Gründe haben, wie zum Beispiel einen Harnwegs-Infekt oder eine muskuläre Verspannung.

Meist treten erst dann Beschwerden auf, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und sich in andere Organe ausgebreitet hat. Daher ist vielen Betroffenen oftmals gar nicht klar, dass sie Nierenkrebs haben, bis sie Untersuchungen wegen anderer Erkrankungen durchführen lassen.

Sprechen Sie daher bitte immer mit Ihrem Arzt, wenn Sie eines der folgenden Anzeichen bei sich beobachten (bitte hier klicken)

  • Blut im Urin oder eine Veränderung der Farbe des Urins (dunkler, rost-braun)
  • Bauchschmerzen in der Magengegend
  • Gewichtsverlust
  • Neu aufgetretener Bluthochdruck
  • Ständige Müdigkeit
  • Anhaltendes Fieber oder Nachtschweiß.

All diese Symptome können natürlich auch andere Ursachen haben. Trotzdem sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, wenn sie eines der oben genannten Anzeichen bei sich beobachten und die Ursache abklären lassen. Denn eine frühzeitige Entdeckung und Behandlung einer Nierenkrebs-Erkrankung kann die Heilungschancen erheblich steigern.

Die häufigsten Untersuchungen bei Nierenkrebs (bitte hier klicken)

Die häufigsten Untersuchungen zur Abklärung eines Verdachtes auf Nierenkrebs sind:

  • Ultraschall: Ein bildgebendes Verfahren, bei dem Schallwellen genutzt werden, um die Innenseite des Bauches sichtbar zu machen. Dabei wird mit einem kleinen Gerät über die Haut des zu untersuchenden Bereiches gestrichen. So können Veränderungen in Niere und anderen Organen sichtbar gemacht werden.
  • Andere bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) oder Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) können ebenso dazu genutzt werden, detaillierte Bilder der Körperorgane zu erhalten. Damit lässt sich eine vorhandene Raumforderung auf der Niere genauer charakterisieren.
  • Röntgen-Thorax: Ein Röntgen der Organe und Knochen in der Brust.
  • Untersuchung des Urins: Das häufigste Symptom und erste Anzeichen für einen Nierentumor ist oftmals Blut im Urin. Dieser Test kann auch andere Unregelmäßigkeiten im Urin, wie zum Beispiel eine hohe Zahl an Eiweißen, ausfindig machen.
  • Blutuntersuchungen: Chemische Untersuchungen des Blutes können Hinweise auf eine Erkrankung liefern.
  • Knochenszintigrafie: Eine kleine Menge von radioaktivem Material wird in die Vene gespritzt und wandert durch die Blutbahn bis hin zu den Knochen. An Stellen mit erhöhtem Stoffwechsel (wie z.B. Metastasen oder Entzündungen) sammelt sich das radioaktive Material. Eine spezielle Kamera kann diese Stellen dann sichtbar machen.

Nierenkrebs wird meist durch bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT oder MRT) entdeckt und zeigt sich dort als eine Art "Klumpen" oder „Raumforderung“ auf der Niere. Diese erste Diagnose heißt noch lange nicht, dass es sich tatsächlich auch um Nierenkrebs handelt. Weitere Untersuchungen sind nötig. In einigen Fällen kann es vorkommen, dass der Arzt eine sofortige Operation und Entfernung des verdächtigen Gewebes empfiehlt. In anderen Fällen wird eventuell erst eine so genannte Biopsie durchgeführt. Bei einer Biopsie wird eine dünne Nadel in das Tumorgewebe eingebracht, um einige Zellen aus dem Tumor zu entnehmen. Der Arzt kann dann an den Zellen erkennen, ob sie krebsartig sind oder nicht. Bis zu 20% der Raumforderungen (oder Klumpen) an den Nieren sind nicht krebsartig.

6. Mein Krebs ist auf die Niere beschränkt: Welche Behandlungen kommen in Frage?

Es mag seltsam erscheinen, aber für einige Patienten mit kleinem Tumor (Stage 1), ist die beste Behandlung oftmals die alleinige Beobachtung des Tumorwachstums, die so genannte "aktive Überwachung". Wenn Sie älter sind oder anderweitige gesundheitliche Probleme haben, kann es am besten sein, den Krebs zunächst nur sorgfältig zu beobachten – all dies natürlich unter ärztlicher Aufsicht mit regelmäßigen Untersuchungen durch einen Krebsspezialisten.

Da viele Nierenkrebserkrankungen durch Zufall bei Untersuchungen aufgrund anderer Erkrankungen entdeckt werden, werden sie oftmals in einem frühen Stadium erkannt. Bei Nierentumoren, die kleiner als 3 cm sind, ist eine Streuung (Metastasierung) in andere Gewebe eher unwahrscheinlich, daher überwiegt das Risiko einer Operation manchmal die Vorteile für den Erkrankungsverlauf. Jedoch müssen bei Patienten, die sich für die aktive Überwachung entscheiden, in regelmäßigen Abständen ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden. Falls der Krebs beginnt schneller zu wachsen, muss eventuell anders behandelt werden.

Wenn ein größerer Tumor vorliegt, ist eine Operation in der Regel die Behandlung der Wahl. Dieser Eingriff wird meist von einem speziell geschulten Chirurgen durchgeführt, einem Urologen oder Uro-Onkologen (ein Urologe, der sich auf die Krebstherapie spezialisiert hat). Bei der Operation wird je nach Lage und Ausbreitung des Tumors nur ein Teil der Niere ("partielle Nephrektomie") oder die gesamte Niere ("radikale Nephrektomie") entfernt. Ist der Tumor noch relativ klein (Stage 1, < 7 cm) wird meist nur das befallene Gewebe entnommen, der gesunde Rest der Niere bleibt somit erhalten. Ist der Tumor jedoch größer (Stage 2) oder hat sich über die gesamte Niere und das angrenzende Gewebe ausgebreitet (Stage 3), muss die gesamte Niere entfernt werden. Auch die Operationstechnik kann variieren: Manchmal ist ein größerer Schnitt nötig (eine so genannte "offene" Nephrektomie) manchmal ist die Schlüsselloch-Chirurgie möglich ("laparoskopische" Nephrektomie), die meist mit einem kürzeren Krankenhausaufenthalt verbunden ist und zu einer schnelleren Genesung führt.

Ist eine Behandlung des lokalisierten Nierenkrebses ohne Operation möglich?

Wenn eine Operation aufgrund Ihres Alters oder eines anderen gesundheitlichen Problems nicht möglich ist, gibt es alternative Behandlungsoptionen. Dazu gehören:

  1. Radiofrequenz-Ablation (RFA): Dabei wird eine Nadel mit einer Mikrowellenantenne, unter lokaler Betäubung, in das Tumorgewebe eingebracht und der Krebs so praktisch von Innen "gekocht".
  2. Cryoablation: Hier werden mehrere Sonden in das erkrankte Gewebe eingeführt und dann mit flüssigem Stickstoff gekühlt, um die Krebszellen zu gefrieren. Dies hat einen ähnlichen Effekt wie die RFA, kann aber eine Vollnarkose nötig machen.
  3. Stereotaktische Strahlentherapie (SBRT): Dieses neuere, computergesteuerte Bestrahlungs-Verfahren wurde in den vergangenen Jahren bei Nierenkrebs und vielen anderen Krebsarten eingehend untersucht. SBRT gibt viele kleine Strahlungsdosen aus verschiedenen Winkeln ab, so dass eine therapeutische Dosis der Strahlung auf den Krebs trifft, die normalen Organe und Gewebe um den Tumor werden jedoch kaum beeinflusst.
Sind Sie an einer erblichen Form von Nierenkrebs erkrankt, ist es möglich, dass zukünftig noch weitere Tumore in der Niere auftreten. Daher könnte Ihr Arzt eine andere Behandlung vorschlagen: Patienten mit vererbten Typen von Nierenkrebs brauchen eine langfristige Strategie und sollten sich daher in erfahrene Expertenhände begeben. Wo Sie diese Spezialisten finden, erfahren Sie bei Ihrer regionalen Patientenorganisation.

Was kann ich tun, damit der Krebs nicht zurück kommt?

Bei einigen anderen Krebsarten haben die Patienten eine Art zusätzliche „Versicherung“- sie können Behandlungen in Anspruch nehmen, die das Risiko eines Rückfalles reduzieren. So zum Beispiel eine Chemo-, Hormon- oder Strahlentherapie als vorbeugende ("adjuvante") Behandlung. Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass diese Behandlungsmethoden bei Nierenkrebs keinen Erfolg versprechen. Auch die neueren zielgerichteten Nierenkrebsmedikamente (wie Sorafenib, Sunitinib, etc) haben in Studien keinen zusätzlichen Nutzen bei einer adjuvanten, also vorsorglichen Behandlung gezeigt.

Derzeit besteht jedoch großes Interesse an der Immuntherapie als adjuvante Therapie bei Krebs. Fragen Sie Ihren Arzt, ob eine klinische Studie zur Immuntherapie bei Nierenkrebs für Sie in Frage kommt.

Nachsorge nach der Behandlung?

Nach der abgeschlossenen Therapie sollte eine so genannte Nachbehandlung oder Nachsorge erfolgen. Diese wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen, sobald Sie Ihre Krebsbehandlung abgeschlossen haben. Dabei werden in regelmäßigen Abständen verschiedene Untersuchungen beim niedergelassenen Arzt oder in der behandelnden Klinik vorgenommen. Die Nachsorge erfolgt im ersten und zweiten Jahr meist alle drei Monate, im dritten und vierten Jahr alle sechs Monate und ab dem fünften Jahr einmal jährlich.

Diese Nachsorge-Termine sind wichtig, um den Heilerfolg zu kontrollieren, ggf. auftretende Komplikationen zu behandeln und ein eventuelles Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Wie bei den meisten anderen Krebsarten ist auch bei Nierenkrebs das Risiko einer erneuten Erkrankung direkt nach Behandlungsende am höchsten. Je mehr Zeit seit der Behandlung vergangen ist, desto höher sind die Chancen, dass der Krebs nicht zurückkommt. Allerdings ist die Nachsorge auch dann noch wichtig. In einigen Ländern erfolgt die Nierenkrebs-Nachsorge über einen Zeitraum von 5 Jahren, in Deutschland sind es jedoch meist 10 Jahre. Die Patientenorganisation in Ihrem Land kann Ihnen sicherlich Informationen zu den aktuellen Richtlinien für die Nachsorge zur Verfügung stellen. Deutsche Nierenkrebs-Patientenorganisation Das Lebenshaus e.V.

7. Mein Krebs hat sich von der Niere auf andere Teile des Körpers ausgebreitet: Welche Behandlung kommt in Frage?

Bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, bei der sich der Krebs bereits in andere Organe ausgebreitet hat, ist Nierenkrebs in der Regel nicht mehr heilbar. Das Ziel der Behandlung ist daher, das Leben so lang und so normal wie möglich zu gestalten. Verschiedene Ärzte können Ihnen in dieser Situation unterschiedliche Behandlungen anbieten: Zum Beispiel können Urologen und Onkologen Anti-Krebs-Medikamente verschreiben, Strahlentherapeuten mit Strahlung behandeln. Dieses Team von Spezialisten wird in enger Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihrem Hausarzt alles tun, um Ihre Symptome zu kontrollieren und Ihr Leben so normal wie möglich zu gestalten.

Die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Nierenkrebs sind:

Active Surveillance (Aktive Überwachung/Beobachtung)

Wenn der Krebs sich zwar bereits im Körper ausgebreitet hat, aber sehr langsam wächst, kann die so genannte „aktive Überwachung“, also „beobachten und abwarten“ die beste Option sein. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Krebs durch Zufall entdeckt wurde und keine Beschwerden verursacht. Sollte der Krebs irgendwann schneller wachsen oder Probleme machen, wird eine Behandlung eingeleitet. Ein kleiner Prozentsatz aller Nierenkrebs-Patienten kann so tatsächlich für eine sehr lange Zeit – manchmal Jahre - beschwerdefrei sein. Daher kommt es durchaus vor, dass der behandelnde Arzt empfiehlt, die Erkrankung erst einmal für eine Weile zu beobachten.

Klinische Studien

Klinische Studien werden manchmal fälschlicherweise als "letzter Rettungsanker" verstanden. Durch die neuen, sich rasch verbessernden Behandlungsmöglichkeiten sollten sie jedoch eigentlich als "erste Anlaufstelle" in Betracht gezogen werden. Klinische Studien bieten die Möglichkeit, neue Therapien und Behandlungsmethoden frühzeitig zu erproben. Allerdings sind Studien nicht immer für jeden geeignet und nicht jeder Patient ist passend für eine klinische Studie. Sollte aber eine für Sie passende Studie verfügbar sein, kann dies eine interessante Möglichkeit darstellen. Sicherlich hofft man immer, dass die neue Behandlung besser ist als die bisherigen Standard-Therapien, doch manchmal ist dies leider nicht der Fall. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeiten klinischer Studien oder nutzen Sie einige der Tipps in Abschnitt "Klinische IO-Studien finden" um herauszufinden, ob eine Teilnahme das Richtige für Sie sein könnte.

Operation, um Krebsmetastasen zu entfernen

Bei einer kleinen Anzahl von Patienten breitet sich der Krebs lediglich auf ein oder zwei Stellen im Körper (Metastasen) aus. Wenn dies der Fall ist, kann eventuell versucht werden, alle diese Krebsherde zu entfernen ("Metastasektomie"). Einige Patienten können über mehrere Jahre von einem derartigen Eingriff profitieren, jedoch kommt die Behandlung wirklich nur für Patienten in Frage, die lediglich eine oder zwei Metastasen aufweisen, die alle sicher entfernt werden können.

Entfernung des Tumors in der Niere

Durch eine Operation kann ein metastasierter Nierenkrebs in der Regel nicht geheilt werden. Jedoch kann die Entfernung des Tumors dazu beitragen, Beschwerden und Probleme zu verringern. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass die Entfernung des Tumors das Gesamtüberleben verbessern kann und andere Behandlungen eventuell besser anschlagen. Diese sogenannte "zytoreduktive" Nephrektomie würde durch Ihren Urologen (oder Uro- Onkologen) erfolgen.

Medikamente, die die Blutgefäße blockieren (zielgerichtete Therapie)

Die klassische Chemotherapie wird bei Nierenkrebs nicht angewendet. Die derzeitige medikamentöse Behandlung basiert auf Tabletten, die die Blutversorgung des Tumors einschränken. Dies verlangsamt oder stoppt das Wachstum des Tumors und lässt ihn manchmal sogar schrumpfen. Diese Medikamente wirken direkt auf spezifische Signale innerhalb der Krebszellen und werden als "zielgerichtete Therapien“ oder „targeted therapies" bezeichnet. Andere Namen für diese Gruppe von Arzneimitteln sind auch "anti-angiogene Therapien" und "Tyrosinkinase-Inhibitoren". Obwohl es sich dabei nicht um eine klassische Chemotherapie handelt, zeigen sich auch unter den zielgereichten Medikamenten einige Nebenwirkungen. Die Tyrosinkinase-Inhibitoren die derzeit zur Behandlung von Nierenkrebs eingesetzt werden, sind: Axitinib, Pazopanib , Sorafenib , Sunitinib.

Weitere Wirkstoffe aus dieser Medikamenten-Familie sind momentan in der Entwicklung und werden in verschiedenen Studien-Phasen untersucht. Neuere Wirkstoffe sind zum Beispiel Cabozantinib und Lenvatinib:

  • Die Ergebnisse Phase III mit Cabozantinib (METEOR) wurden während der ECCO Konferenz im September 2015 vorgestellt und im New England Journal of Medicine veröffentlicht: Studienergebnisse Cabozantinib
    Im April 2016, wurde Cabozantinib von der amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) zur Behandlung von metastasiertem Nierenkrebs zugelassen. Mehr dazu lesen Sie hier (auf Englisch): FDA/Cabozantinib
  • Ergebnisse der Phase II Studie mit Lenvatinib wurden auf dem ASCO 2015 vorgestellt und im The Lancet Oncology veröffentlicht: Studienergebnisse Lenvatinib
    Im Mai 2016, hat die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) Lenvatinib in Kombinationstherapie mit Evertolimus zur Behandlung von metastasiertem Nierenkrebs zugelassen. Mehr dazu lesen Sie hier (auf Englisch): FDA/Lenvatinib

Medikamente, die das Krebswachstum blockieren

Eine zweite Gruppe von Medikamenten für Nierenkrebs arbeitet durch die Blockierung eines anderes Signals innerhalb der Krebszelle ("mTOR -Inhibitoren"). Diese werden in der Regel nur verwendet, wenn die Medikamente, die die Blutzufuhr blockieren, nicht mehr wirksam sind. Die mTOR-Inhibitoren zur Behandlung von Nierenkrebs sind Everolimus und Temsirolimus.

Andere Medikamente

Derzeit laufen klinische Studien, die herausfinden sollen, ob es noch andere Arten von Zellsignalen gibt, die durch Medikamente abgeschaltet werden können, um das Wachstum von Nierenkrebs zu verhindern. Ein möglicher Ansatzpunkt ist ein „MET-Inhibitor“, der bei anderen Krebsarten bereits Wirkung zeigt und eine Rolle bei der Behandlung des papillären Nierenzellkarzinoms spielen könnte.

 

Immuntherapie

Bereits vor dem Jahr 2006 wurde die Immuntherapie mit Interleukin-2 (IL-2) und Interferon-alpha eingesetzt, um metastasierten Nierenkrebs zu behandeln. Bei einigen Patienten zeigten diese Medikamente auch durchaus eine gute Wirkung. Die Killer-T-Zellen, ein Teil des körpereigenen Immunsystems, konnten aktiviert werden, sodass diese die Krebszellen zerstörten. Leider profitierte nur ein kleiner Teil der Patienten von dieser Art der Behandlung, häufig verbunden mit großen Nebenwirkungen. Derzeit werden neue Arten der Immuntherapie in klinischen Studien getestet. Für weitere Informationen zu den neueren Immuntherapien klicken Sie bitte hier: Immunonkologische Therapie

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlung, um Krebszellen abzutöten. Sie kann gerade dann hilfreich sein, wenn der Krebs an einer bestimmten Stelle Probleme verursacht, z B. schmerzende Metastasen in den Knochen, Tumoren in der Niere, die Blutungen verursachen, Schwellungen im Gehirn durch Metastasen. Die Strahlentherapie wird in erster Linie als Mittel zur Kontrolle der Symptome (z.B. Schmerzen) eingesetzt.

Palliativpflege

Palliativ bedeutet nicht das "Ende des Weges" oder Krebs im Endstadium. Palliativmedizin bezeichnet vielmehr alle Behandlungen, die eingesetzt werden, um Ihre Beschwerden zu verringern und Ihre Lebensqualität zu erhöhen. Ihr Hausarzt, Ihr Onkologe und alle anderen behandelnden Ärzte werden Sie dabei so gut es geht unterstützen. Manchmal werden Palliativ-Ärzte und Pflegepersonal mit in die Behandlung einbezogen, da diese eine spezialisierte Beratung anbieten können. Eine palliative Behandlung kann die Lebensqualität verbessern, indem die Beschwerden des fortgeschrittenen Krebses reduziert werden.

8. Wie passt die Immunonkologie in die Behandlung von Nierenkrebs?

Genau diese Frage versuchen Nierenkrebs-Forscher auf der ganzen Welt derzeit zu beantworten. Die Wahrheit ist, dass die Immuntherapien zwar mit großen Hoffnungen verbunden ist, wir aber derzeit mehr Fragen als Antworten haben. Der einzige Weg, diese Antworten zu erhalten, ist, klinische Studien durchzuführen und über die Ergebnisse umfassend zu informieren.

Im Moment sollten Sie nicht vergessen, dass nicht immer alles stimmt, was in den Medien zu lesen ist. Die Informationen, die einen guten Zeitungsartikel ausmachen, müssen nicht zwangsläufig immer wahr sein.

In den kommenden Jahren hoffen wir jedoch zu klären,

  • ob die Immunonkologie in der Standard-Behandlung von Nierenkrebs eine Rolle spielen könnte.
  • welche Patienten davon profitieren und bei wem die Therapie nicht anschlägt.
  • welche Tests im Vorfeld durchgeführt werden können, um dann die richtige Behandlung für jeden einzelnen Patienten zu finden.
  • wann der beste Zeitpunkt für eine Immuntherapie ist. Ist eine Immunonkologische Behandlung vor der Operation sinnvoll? Oder eher nach der Operation? Nach anderen Medikamenten? In Kombination mit anderen Medikamenten?
  • ob es Möglichkeiten gibt, die Vorteile der Immunonkologie für den Patienten zu erhöhen und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu verringern.
  • welche die beste Behandlung für eine hohe Lebensqualität des Patienten ist.
Die Wahrheit ist, dass wir die Antworten auf diese Fragen bei Nierenkrebs derzeit noch nicht haben. Die Ergebnisse aus Studien mit Patienten mit anderen Krebsarten sind allerdings sehr ermutigend und wir freuen uns auf weitere Informationen aus den weltweit laufenden klinischen Studien bei Nierenkrebs. Mehr zur immunonkologischen Therapie lesen Sie bitte hier: Immunonkologie verstehen

9. Wie sieht es mit alternativen und komplementären Therapien bei Nierenkrebs aus?

Alternative Therapien:
Eines ist klar - jeder will die beste Gesundheitsversorgung für sich und seine Lieben. Wenn jedoch keine geeigneten medizinischen Standardtherapien zur Verfügung stehen, werden von wohlmeinenden Freunden, Verwandten oder auch im Internet oftmals "alternative" Therapien vorgeschlagen.
Diese werden als "alternativ" bezeichnet, da in keiner Weise wissenschaftlich bestätigt wurde, dass sie Krebs bekämpfen oder dem Patienten helfen können. Schlimmer noch, manchmal wurde nachgewiesen, dass sie unwirksam sind oder sogar Schaden anrichten können. Beispiele für nicht hilfreiche oder schädliche alternative "Behandlungen" sind zum Beispiel hochdosierte Vitaminpräparate, pflanzliche Produkte oder extreme Diäten. Eine gute Website zur Überprüfung von alternativen "Therapien" ist die Website www.quackwatch.org (in englischer Sprache) oder die AG Prävention und Integrative Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (www.prio-dkg.de).

Vorsicht: Einige alternative Therapien können Interaktionen mit Ihren Medikamenten hervorrufen. Das heißt, sie können die Wirkung Ihres Krebs-Medikamentes abschwächen oder verstärken. Sprechen Sie daher bitte immer mit Ihrem behandelnden Arzt, bevor Sie andere Mittel einnehmen, auch wenn es sich dabei um Nahrungsergänzungsmittel oder rein pflanzliche Substanzen handelt (z.B. Johanniskraut oder Grapefruit-Saft).

Komplementäre Therapien:
Auf der anderen Seite können komplementäre, also ergänzende Therapien, etablierte medizinische Behandlungen „ergänzen“, um so die Lebensqualität zu verbessern oder Symptome und Nebenwirkungen zu mindern. Dazu gehören zum Beispiel Meditation, Entspannungstechniken, Heilmassage, Psychotherapie, Gebet, Yoga, Akupressur und Akupunktur. Besteht jedoch der Verdacht oder ist bestätigt, dass bei Ihnen Knochenmetastasen vorliegen, sollten Sie auf Chiropraktik und Osteopathie besser verzichten.

10. Wie ist meine Prognose?

Dies ist eine schwierige Frage sowohl für Sie, aber auch für Ihren Arzt. Tatsächlich gibt es so genannte Überlebens-Kurven. Dabei ist es jedoch wichtig, immer daran zu denken, dass diese Statistiken auf der Grundlage der Erfahrungen von vielen Hunderten Patienten erstellt werden. Sie spiegeln keinesfalls Ihre individuelle Situation wieder. Wie Ihr Krankheitsverlauf genau sein wird, lässt sich daran kaum ablesen. Einige Patienten haben Krebsarten, die sehr aggressiv sind und kaum auf eine Behandlung reagieren. Andere wiederum haben sehr langsam wachsende Tumoren oder ein besseres Ansprechen auf die Medikamente. Eine Möglichkeit, wie Ihr Arzt Ihnen eventuell eine Einschätzung über Ihre Zukunft geben könnte, ist, über den schlimmsten Verlauf (Worst-Case) und das bestmögliche Szenario (Best-Case) zu sprechen.

Es ist jedoch ganz wichtig zu bedenken, dass niemand eine Kristallkugel besitzt, und daher jede Vorhersage der Zukunft nur eine Vermutung sein kann. Viele der oben diskutierten Fragen können Ihre Prognose beeinflussen, ein gutes Verständnis Ihrer Erkrankung kann wichtig sein, um vorherzusagen, was Ihre Zukunft so bringt.