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Immunonkologie verstehen

Understanding IOLymphozyten greifen Krebszellen anDie immunonkologische (IO) Therapie ist eine neue (und alte) Behandlungsmethode, bei der das Immunsystem so aktiviert wird, dass es den Tumor angreift.

Tatsächlich war bereits eine der ältesten Behandlungsmethoden gegen Krebs eine Art Immuntherapie. Vor mehr als einem Jahrhundert wurde “Coleys Toxin” (toxin, engl. = Gift), ein Cocktail aus abgetöteten Bakterien, direkt in den Tumor gespritzt. Dies führte zu einer starken Entzündungsreaktion, verbunden mit vielen Nebenwirkungen, aber in einzelnen Fällen konnte der Krebs so tatsächlich geheilt werden.

Seit damals wurden eine Reihe weiterer Immuntherapien entwickelt und untersucht. Aber Nebenwirkungen, Kosten und nur eine geringe Wirksamkeit schränkten ihren Nutzen stark ein.

In letzter Zeit haben sich neue Arten der Immuntherapie (auch als immunonkologische Therapien oder IO bekannt) bei einigen Krebsarten als erfolgreich erwiesen. Beispielsweise waren erste Studien mit Immunonkologika gegen fortgeschrittenen Hautkrebs (Melanom) und Lungenkrebs sehr ermutigend. Manche dieser Medikamente sind in einigen Ländern bereits zugelassen. Die neuen IO-Therapien, einschließlich Impfungen, werden derzeit in Studien auf ihre Wirksamkeit bei Nierenkrebs untersucht.

In diesem Abschnitt erfahren Sie mehr über die IO-Therapien, die derzeit für den Einsatz bei Nierenkrebs untersucht werden. Sie lernen, wie diese Behandlungsmethoden funktionieren und welche Nebenwirkungen auftreten könnten. Um die neuen Therapien zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie unser Immunsystem funktioniert. Wenn Sie mehr über unser Immunsystem erfahren möchten, lesen Sie bitte zuerst hier: Wie funktioniert das Immunsystem?

 

Welche Arten der Immuntherapie gegen Krebs gibt es?

Fotolia 62128411 S3D-Rendering von Antikörpern

Unser Immunsystem kann Krebszellen als abnormal erkennen und löst teilweise auch eine effektive Immunantwort gegen den Krebs aus. In einzelnen Fällen von Haut- oder Nierenkrebs kam es dadurch sogar zu so genannten spontanen Remissionen. Das heißt, der Krebs wurde auf wundersame Weise geheilt. Das Ziel der Immuntherapie ist es, das körpereigene Immunsystem zu stärken und im Kampf gegen den Krebs zu unterstützen. Immer in der Hoffnung, dass dadurch mehr Patienten von der Stärke des eigenen Immunsystems profitieren können.

Derzeit sind verschiedene Arten der Immuntherapie gegen unterschiedliche Krebsarten verfügbar (und werden in Studien untersucht):

1. Impfungen gegen Krebs

Impfungen wurden in der Vergangenheit bereits bei verschiedenen Krebsarten untersucht. Doch die bisherigen Impfstoffe waren leider nicht besonders effektiv. Derzeit laufen nun Studien mit neuartigen Impfstoffen gegen Nierenkrebs.

Andere wichtige Impfungen gegen bestimmte Viren, die eine Krebserkrankung auslösen können (wie zum Hepatitis B und HPV - das humane Papillomavirus) existieren bereits. Genau diese Impfungen verhindern jedes Jahr hunderttausende Krebserkrankungen auf der ganzen Welt.

2. Zytokine (Immunhormone)

Das Immunsystem kommuniziert über Hormone (wie Interleukin und Interferon). Hohe Dosen dieser Hormone wurden bereits vor vielen Jahren als Injektion zur Behandlung von Krebs, u.a. auch von Nierenkerbs, verabreicht.

3. Immunzelltherapie

Dabei werden Abwehrzellen (die Leukozyten) aus dem Blut des Patienten entnommen, außerhalb des Körpers aufbereitet und dem Patienten anschließend wieder verabreicht. Dabei handelt es sich um die so genannten Tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TILs) oder, nach weiterer Modifikation, die chimäre Antigenrezeptor (CAR)-Therapie.

4. Checkpoint-Hemmer

So genannte monoklonale Antikörper wurden entwickelt, um das “Händeschütteln” zwischen den Immunzellen und ihren Zielen zu verhindern. Dies ist sicherlich das vielversprechendste Feld in der Immuntherapie zur Krebsbehandlung (für weitere Informationen lesen Sie bitte die Frage „Wie funktionieren die Checkpoint-Inhibitoren?“).

Klinische Studien versuchen zu klären, wie die Krebsbehandlung personalisiert, also auf den jeweiligen Tumor und seine Eigenschaften zugeschnitten werden könnte. Einige Studien verlangen daher eine Biopsie oder Gewebeprobe des Tumors. So hoffen Wissenschaftler bald zu klären, welche Krebstypen besonders gut auf die IO-Therapie ansprechen.

Wie arbeiten die Immunherapien zur Behandlung von Krebs?

Die unterschiedlichen Immuntherapien nutzen verschiedene Strategien, um Ihr Immunsystem im Kampf gegen den Krebs zu unterstützen.

1. Krebs-Impfungen

Krebs-Impfungen werden im Gegensatz zu “normalen” Impfungen erst dann gegeben, wenn sich bereits ein Tumor entwickelt hat. Daher sind diese Impfungen auch therapeutisch und nicht präventiv (vorsorglich). Sie alarmieren das Immunsystem und informieren das Abwehrsystem über mögliche Angriffsziele. Manchmal können Tumoren unentdeckt von unserem Immunsystem wachsen. Ein Impfstoff setzt das Immunsystem darauf an, diese „abnormalen Zellen“ aufzuspüren. Derzeit werden mehrere Nierenkrebs-Impfstoffe in klinischen Studien getestet. Obwohl sie alle dem Immunsystem beibringen, vorhandene Krebszellen zu erkennen, tun sie dies auf unterschiedliche Weise.

2. Zytokintherapie (Immunhormone)

Immunhormone werden von unserem Körper selbst produziert. Dabei handelt es sich um Nachrichten der Zellen untereinander, sie können Immunzellen zum Wachstum anregen oder deren Aktivität steigern. Hohe Dosen dieser Hormone können zur Krebsbehandlung eingesetzt werden. Damit erhofft man sich, dass das Immunsystem dadurch ausreichend stark aktiviert wird und den Krebs bekämpfen kann. Das Zytokin mit dem Namen Interleukin-2 (IL-2) wurde bis in die frühen 1990er in einigen Ländern zur Behandlung von Nierenkrebs eingesetzt. Seit damals haben Wissenschaftler viel darüber gelernt, wie das Immunsystem funktioniert und welche Zytokine das Immunsystem ausreichend aktivieren können. Studien mit den Zytokinen IL-10 und IL-21 als mögliche Therapien gegen Nierenkrebs, sind derzeit in Planung. Die zukünftige Rolle der Zytokine in der Welt der immunonkologischen Therapien ist derzeit allerdings noch nicht ganz klar.

3. Immunzelltherapie

Bei der Immunzelltherapie werden dem Krebs-Patienten Immunzellen aus dem Blut oder dem Tumorgewebe entnommen. Diese Zellen werden im Labor vermehrt und dem Patienten dann wieder injiziert. So wird die Anzahl der Immunzellen gegenüber den Tumorzellen erhöht. Dies soll zu einem Angriff auf den Krebs führen. Auch diese Behandlungsansätze werden derzeit in klinischen Studien für verschiedene Krebsarten genauer untersucht – allerdings momentan lediglich in wenigen großen Studienzentren.

4. Checkpoint-Hemmer

Checkpoint-Hemmer (oder Checkpoint-Inhibitoren) sind eine der neuesten Formen der Immuntherapie gegen Krebs. Während Impfungen das Immunsystem dabei unterstützen, die Tumorzellen aufzuspüren, Immunhormone die Immunzellen aktivieren und ihre Anzahl erhöhen sollen, greifen die Checkpoint-Hemmer an der letzten Verteidigungslinie der Krebszellen an. Für weitere Informationen dazu, wie die Checkpoint-Inhibitoren genau wirken, lesen Sie bitte weiter unten.

Welche Immuntherapien wurden bisher gegen Nierenkrebs eingesetzt?

Derzeit werden vier verschiedene Arten der IO-Therapie zur Behandlung von Nierenkrebs eingesetzt bzw. im Rahmen von Studien getestet:

1. Krebs-Impfungen (z.B. mit dendritischen Zellen)

cancer vaccinesAuch Impfungen wurden bereits für die Behandlung von Nierenkrebs getestet. Dabei schien vor allem ein Impfstoff durchaus vielversprechend. Er sollte verhindern, dass der Krebs wiederkommt – auch bei Patienten, die einen relativ großen Tumor hatten. Diese Forschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Daher konnten sich Impfungen bisher nicht als Standard-Behandlung etablieren.

Impfstoffe, die in Nierenkrebs-Studien untersucht werden sind unter anderem:

  • AGS-003: Den Patienten werden Immunzellen entnommen und diese dann im Labor genetisch so verändert, dass sie Tumorzellen besser erkennen können. Die modifizieren Immunzellen werden dem Patienten dann wieder verabreicht. Diese Behandlung ist der CAR-Therapie sehr ähnlich, der Unterschied liegt jedoch darin, dass die wieder injizierten Immunzellen nicht selbst gegen den Tumor kämpfen, sondern dem Immunsystem beibringen, wie der Krebs besiegt werden kann.
  • IMA901: Dieser Impfstoff enthält 10 häufig vorkommende Nierenkrebs-Proteine. Er funktioniert ähnlich wie eine „normale“ Impfung: IMA901 wird Sie nicht krank machen, sondern soll Ihrem Immunsystem beibringen, wie es Tumorzellen erkennen kann.
  • MGN1601: Diese Impfung enthält die Nierenkrebszellen einer anderen Person. Wenn Sie diese mit der Impfung verabreicht bekommen, wird Ihr Immunsystem diese Zellen angreifen und zerstören, da sie als fremd erkannt werden und eine Gefahr darstellen. Während Ihr Immunsystem nun gegen die fremden Nierenkrebszellen kämpft, lernt es gleichzeitig, wie eine Nierenkrebszelle aussieht und wird so in die Lage versetzt, auch Ihren Tumor zu zerstören.

2. Zytokintherapie (Immunhormone für eine unspezifische Immunstimulation, z.B. IL-2, INF)

Bevor die heute als Standardbehandlung eingesetzten zielgerichteten Therapien im Jahr 2006 zugelassen wurden, wurden manche Patienten mit Immunhormonen wie Interleukin-2 (IL-2) und Interferon-alpha behandelt. Einige Patienten sprachen auch tatsächlich gut darauf an. Es kam zu einer “kompletten Remission“. Das heißt, der Krebs war nach Beendigung der Therapie nicht mehr nachweisbar und kam auch für eine sehr lange Zeit nicht mehr zurück.

Ärzten fällt es schwer, in diesem Zusammenhang von „Heilung“ zu sprechen, aber einige Patienten lebten nach der Behandlung noch eine sehr lange Zeit. Die Kehrseite der Medaille: Diese Immunhormone sind überaus toxisch. Nur junge, körperlich wirklich fitte Menschen können die Therapie überhaupt erhalten. Auch dann geht es ihnen meist so schlecht, dass sie auf der Intensiv-Station im Krankenhaus behandelt werden müssen.

3. Immunzelltherapie (z.B. T-Zell-Infusionstherapie, TILS)

Diese Therapien werden derzeit in klinischen Studien für einige Krebsarten genauer untersucht, jedoch nur in wenigen großen Studienzentren. Für weitere Informationen zu verfügbaren Studien, klicken Sie bitte hier: Studien finden

4. Checkpoint-Hemmer (z.B. CTLA-4, PD-1, PD-L1)

Checkpoints sind die neueste Entwicklung im Bereich der IO-Therapie bei Nierenkrebs. Viele klinische Studien sind dazu derzeit weltweit verfügbar. Für weitere Informationen zu laufenden Nierenkrebs-Studien, lesen Sie bitte hier: Klinische IO-Studien finden. Weiteres über die Wirkweise der Checkpoint-Inhibitoren gibt es in der Antwort auf die nächste Frage.

Wie funktionieren die Checkpoint-Inhibitoren?

checkpoint web dtImmunzellen werden von einer Gruppe so genannter Checkpoints (also Kontrollpunkten) reguliert, die für ein ausgewogenes Immunsystem sorgen. Wird zu wenig reguliert, wird das Immunsystem überaktiv und greift den eigenen Körper an; zu viel Regulation und die Immunfunktionen werden beeinträchtigt, Infektionen und Krebserkrankungen können entstehen. Für weitere Informationen über das Immunsystem klicken Sie bitte hier: Das Immunsystem verstehen.

Manchmal machen sich Krebszellen jedoch genau dieses System zu Nutze und verwenden die Checkpoints, um sich vor dem Immunsystem zu „verstecken“. Checkpoint-Inhibitoren sind Arzneimittel (in diesem Fall so genannte Antikörper), die wiederum diese Checkpoints blockieren, so dass das Immunsystem die vorhandenen Krebszellen wieder erkennen und bekämpfen kann.

Wird das Wirkprinzip der Checkpoint-Inhibitoren genauer betrachtet, so könnte dies erklären, warum sie bei dem einen Krebs-Patienten eine Besserung der Erkrankung bringen, beim anderen jedoch nicht helfen. Anscheinend wirken die Checkpoint-Hemmer nur dann, wenn das Immunsystem bereits alarmiert und aktiviert ist und versucht, den Krebs zu bekämpfen. Sind keine Immunzellen im Tumor vorhanden, scheint auch die Behandlung mit Checkpoint-Antikörpern nicht zu wirken. Wissenschaftler weltweit versuchen gerade, genau diese Frage in Studien zu beantworten.

Checkpoint-Hemmer stellen lediglich die letzte Verteidigungslinie des Krebses gegen unser Immunsystem dar. Dies erklärt die Strategie, die Ärzte und Wissenschaftler in klinischen Studien derzeit einschlagen. So untersuchen sie zum Beispiel verschiedene Kombinationen aus Checkpoint-Antikörpern (z.B. Nivolumab + Ipilimumab oder Durvalumab + Tremelimumab) oder Checkpoint-Hemmer in Verbindung mit anderen Medikamenten, wie beispielsweise Impfstoffen gegen Krebs, Immunhormonen oder Standard-Krebstherapien (z.B. zielgerichtete Therapien).

Welche Arten von Checkpoint-Therapien sind derzeit verfügbar?

In einigen Ländern sind die neuen Immun-Checkpoint-Inhibitoren bereits zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms zugelassen. Teilweise sind sie jedoch nur im Rahmen klinischer Studien oder so genannter Compassionate Use Programmen verfügbar. Für weitere Informationen zu laufenden Studien, lesen Sie bitte hier: Klinische Studien finden. Mehr zu Compassionate Use Programmen erfahren Sie im Text weiter unten.

Die verscheidenden Arten der Checkpoint-Therapie

Vielleicht haben Sie die Begriffe “PD-1”, “PD-L1” oder auch “CTLA-4”bereits im Zusammenhang mit neuen Nierenkrebs-Medikamenten gehört. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Medikamenten-Namen, sondern um eine „Gruppe“ von Checkpoint-Inhibitoren. Sie umfasst Wirkstoffe wie Nivolumab, Pembrolizumab, Ipilimumab, Tremelimumab, Durvalumab, Avelumab, Atezolizumab und andere.

PD-1 und PD-L1 Inhibitoren

Graphic of PD-L1 proteinGraphik des PD-L1 ProteinsDiese IO-Therapien umfassen Medikamente mit Namen wie Nivolumab oder Pembrolizumab, oder Durvalumab, Avelumab und Atezolizumab. Doch wie genau wirken sie?

Das Protein PD-1 befindet sich auf der Oberfläche der Zellen unseres Immunsystems. Sein „Partner“ PD-L1 sitzt dagegen auf der Oberfläche anderer Körper-Zellen (für weitere Informationen lesen Sie bitte hier: Informationen über das Immunsystem). Und genau mit Hilfe dieser PD-L1 Proteine können sich Tumorzellen vor Angriffen des Immunsystems schützen.

Durch die Bindung der beiden Proteine (PD-1 und PD-L1) erkennt die Immunzelle, dass die Zelle ihr gegenüber gesund ist. Dies ist sozusagen wie ein geheimer Handschlag, durch den die Zellen Ihres Immunsystems und die gesunden Zellen wissen, dass sie beide in derselben Mannschaft spielen.

Die Krebszellen tricksen unser Immunsystem jedoch aus, indem sie PD-L1 Proteine auf ihrer Zelloberfläche platzieren und die Immunzellen glauben lassen, sie wären ganz normale gesunde Zellen – sie lernen quasi den geheimen Handschlag.

Medikamente mit PD-1 und PD-L1-Inhibitoren können verhindern, dass PD-1 und PDL-1 binden. Sie verhindern also den Handschlag zwischen den Zellen. Dadurch wird es der Krebszelle nicht mehr möglich, das Immunsystem auszutricksen.

CTLA-4 Inhibitoren

Graphic of CTLA-4Graphik von CTLA-4Zu diesen IO-Behandlungen gehören Wirkstoffe wie Ipilimumab und Tremelimumab. Andere werden sicher zukünftig noch folgen.

Die Antikörper Ipilimumab und Tremelimumab wirken, indem sie die so genannten CTLA-4 Checkpoint-Proteine blockieren. CTLA-4 befindet sich nicht auf der Oberfläche der Tumorzellen sondern auf den Immunzellen. Das Protein hält das Immunsystem davon ab, zu viele tumorbekämpfende Zellen (die so genannten Kommando Killer-T-Zellen) zu bilden.

Aufgrund der Blockade von CTLA-4 durch Ipilimumab oder Tremelimumab wird Ihr Immunsystem wieder in die Lage versetzt, eine größere Zahl an Killerzellen zu produzieren, die dann den Krebs bekämpfen können.

Kombinationstherapien

Wissenschaftler wissen bisher noch nicht, welche Strategie die beste Option für Nierenkrebs darstellt: Der Einsatz eines einzigen Checkpoint-Inhibitors, die Kombination von Checkpoint-Inhibitoren oder ein Checkpoint-Inhibitor in Kombination mit einem anderen Medikament. Derzeit laufen mehrere Studien, die genau diese Fragen beantworten sollen.

Wie sind die Nebenwirkungen der IO-Therapien?

side effects of IODie IO-Therapie ist nicht mit anderen Krebsbehandlungen vergleichbar. Es handelt sich dabei nicht um eine klassische Chemotherapie. So entstehen die Nebenwirkungen der IO auch durch eine Überaktivität des Immunsystems, und nicht durch eine Unterdrückung des Immunsystems, wie dies bei der Chemotherapie der Fall ist. Die Nebenwirkungen der Immuntherapie hängen stark von der Art der jeweiligen Therapie (Checkpoint-Inhibitor oder andere) ab und können bei jedem Patienten anders ausfallen.

Da Immuntherapien anders wirken als andere Krebsbehandlungen, sind auch die unerwünschten Wirkungen unterschiedlich. Das bedeutet für Sie, ganz besonders wachsam zu sein und eigenverantwortlich zu handeln. Denn es kann durchaus sein, dass einige Ihrer Ärzte bisher noch keine Erfahrung mit den neuen Medikamenten gemacht haben. Die Nebenwirkungen der IO-Therapie können als leichte Beschwerden beginnen, sich aber sehr schnell verschlechtern. Selbst wenn Ihre Nebenwirkungen nur gering sind, sollten Sie daher so schnell wie möglich Ihren Arzt kontaktieren. Weitere Informationen über Nebenwirkungen von IO-Behandlungen finden Sie hier: Wissenswertes zu Nebenwirkungen der IO-Therapie.

Bisher ist noch nicht klar, ob die IO-Therapie das Immunsystem dauerhaft verändert. Allerdings wissen wir bereits, dass die Behandlung das Immunsystem auch dann noch weiter beeinflusst, wenn Sie keine Medikamente mehr erhalten. Teilweise zeigten Patienten unter IO-Therapie sogar erst sechs Monate nach Beendigung der Therapie eine Besserung Ihrer Krebserkrankung. Ebenso können natürlich auch Nebenwirkungen erst Monate nach dem Behandlungsende auftreten.

Nebenwirkungen der IO-Therapie entwickeln sich im Laufe der Zeit. Manchmal treten sie Wochen nach Beginn der Behandlung auf, teilweise sogar erst Monate nach Beendigung der Therapie. Erinnern Sie Ihr Behandlungsteam (Ärzte und Schwestern) daher immer daran, dass Sie eine Immuntherapie erhalten oder bekommen haben. Viele Patienten stecken eine Karte oder einen Patientenpass mit dem Namen der jeweiligen Immuntherapie in ihre Brieftasche.

Ist die immunonkologische Therapie ein “Heilmittel” gegen Krebs?

Nein. Tatsächlich wird das Wort „Heilmittel“ oftmals in den Medien benutzt, von Nierenkrebs-Experten werden Sie dies aber wohl eher nicht hören. Momentan ist es noch zu früh, um etwas über die Wirksamkeit der neuen Behandlungsmethoden bei Nierenkrebs auszusagen. Auch ist nicht klar, welche Patienten wirklich davon profitieren. Trotzdem sind die neuen Therapien sicherlich ein großer Durchbruch in der Krebsbehandlung.

Von “Heilung” wird erst gesprochen, wenn die Erkrankung komplett verschwindet und auch für die nächsten 5, 10 oder 15 Jahre nicht zurückkommt. Die Wirksamkeit des ersten Checkpoint-Antikörpers bei Melanomen (Hautkrebs) wurde jedoch erst 2010 in Studien gezeigt. Aussagen über mehrere Jahre sind daher noch kaum möglich. Allerdings sind die Überlebensraten derjenigen Patienten, die am längsten mit den Wirkstoffen behandelt werden, sehr vielversprechend.

Momentan laufen verschiedene Studien mit unterschiedlichen IO-Therapien.

Wirkt die Immuntherapie auch bei mir?

Wir wissen es nicht.

Jeder hofft natürlich, dass die Behandlung anschlägt, aber momentan können wir noch nicht voraussagen, wer von der Immuntherapie profitiert und wer nicht. Wir befinden uns hier unglücklicherweise in derselben Situation wie bei den zielgerichteten Medikamenten, also den aktuellen Standardtherapien für Nierenkrebs (z.B. Sunitinib oder Pazopanib).

Schwerpunkt der Forschung ist es daher momentan auch, herauszufinden, wie sich der Nutzen einer immunonkologischen Therapie vorhersagen lässt. Sei es durch ein bestimmtes Merkmal des Tumors oder des Patienten selbst. So ließe sich ganz einfach bestimmen, wer die Behandlung erhalten soll und bei wem sie nicht wirkt. Noch wichtiger: So könnten eventuell Wege gefunden werden, wie auch andere Patienten von der Therapie profitieren können.

 

Wie weiß ich, dass die IO-Therapie wirkt?

Es gibt noch viele Fragen zur IO-Therapie, die bisher unbeantwortet blieben. Wer sollte behandelt werden? Wer eher nicht? Wird ein einziger Checkpoint-Antikörper benötigt oder wäre eine Kombination besser? Wenn die Behandlung anschlägt, wie lange muss sie dann weiter gegeben werden? Sind 12 Wochen ausreichend, oder sollte sie ein oder zwei Jahre lang verabreicht werden? Wie lange wird behandelt, bevor klar ist, dass die Therapie nicht hilft?

Festzustellen, ob die Therapie wirklich anschlägt, ist nicht ganz einfach. Da die Behandlung den Tumor nicht direkt zerstört und das Immunsystem Zeit benötigt, bis es angreift, zeigt sich bei vielen Patienten erst später eine Verbesserung der Erkrankung. Das heißt, es werden meist mehrere Dosen der Therapie verabreicht, bevor eine Besserung ersichtlich wird. Bei einigen Patienten kam es sogar vorher erst zu einer Verschlechterung der Erkrankung. Bis zu 20% der Patienten, die Ipilimumab zur Therapie eines Melanoms erhalten haben und bis zu 5% der Patienten unter PD-1 Antikörpern wie Pembrolizumab oder Nivolumab bei verschiedenen Krebsarten, zeigten eine Pseudoprogression.

Wenn die IO-Behandlung anschlägt, zeigt sich teilweise eine erhebliche Verbesserung der Erkrankung: Alle Krebsherde im Körper lösen sich auf und in Untersuchungen ist kein Anzeichen eines Krebses mehr erkennbar. Dies wird “complete response” also vollständiges Ansprechen, genannt und ist nicht der Regelfall. Um ein „teilweises Ansprechen“ handelt es sich, wenn die Krebsherde immer noch sichtbar sind, sich aber verkleinert haben. Dies ist oftmals eine sehr gute Diagnose, da die Herde, die auf dem Untersuchungsbild noch vorhanden sind auch einfach nur Narbengewebe sein können. Jedoch gibt es noch ein drittes Ergebnis einer IO-Therapie, das ebenfalls mit einem Vorteil für den Patienten und einem Überlebensvorteil zusammenhängt: die so genannte stabile Erkrankung. Stabile Erkrankung bedeutet hier, dass keine neuen Krebsherde mehr entstehen und die vorhandenen weder kleiner noch größer geworden sind. Der Grund, warum dies bei einer IO-Therapie positiv ist, ist, dass diese Stabilität oftmals sehr lange anhält und der Patient, auch mit den vorhandenen Tumoren, über einen langen Zeitraum gut leben kann.

Ihr Arzt wird eingehende Untersuchungen und Bildaufnahmen durchführen, bevor Sie mit einer Behandlung beginnen. Allerdings kann es sein, dass die erste Kontrolluntersuchung dann erst 2 oder 3 Monate später erfolgt. Es ergibt einfach keinen Sinn, dies früher durchzuführen, da die Auswirkungen der Behandlung oftmals erst mit einer Verzögerung auftreten. Selbst wenn sich die Erkrankung zu verschlimmern scheint, kann es sein, dass Ihr Arzt noch 1 bis 2 Gaben der Medikamente verabreicht und dann erneute Untersuchungen durchführt. Denn es kann, wie bereits erwähnt, zu einer Pseudoprogression kommen.

Wo kann ich eine immunonkologische Therapie gegen Nierenkrebs erhalten?

advice doctorDie Entwicklung und Verfügbarkeit von Checkpoint-Hemmern für verschiedene Krebsarten ist eine der schnellsten in der Medizingeschichte. Es gab einen wahren Wirbelwind an Aktivitäten und jeden Monat werden neue Erkenntnisse veröffentlicht.

In erster Linie sollten Patienten den Rat eines Nierenkrebs-Experten einholen, um festzustellen, ob eine immunonkologische Therapie für sie überhaupt geeignet ist.

Diese Experten können Sie am besten über Ihre Möglichkeiten der IO-Behandlung beraten. Abhängig von dem Land, indem Sie leben, können diese Verfahren umfassen:

1. Nehmen Sie an einer klinischen Studie teil

Verschiedene Arten von IO-Therapien für Nierenkrebs werden derzeit aktiv in klinischen Studien untersucht. Auf dieser Website finden Sie eine Liste der aktuellen IO-Studien für Patienten mit Nierenkrebs. Aufgenommenen sind die Studien, die in mehr als einem Krankenhaus stattfinden oder eine höhere Anzahl von Patienten aufnehmen. Kleinere Studien werden möglicherwiese auch von Ihrem Krankenhaus durchgeführt. Einige sind in der letzten Studien-Phase (Phase 3). Wenn diese Studien erfolgreich sind, können die ersten Medikamente zugelassen werden.

Abhängig von Ihrem Land kann die klinische Prüfung und das Genehmigungsverfahren einige Zeit in Anspruch nehmen. So kann es mehrere Jahre dauern, bis eine bestimmte IO-Therapie überall verfügbar ist. In der Zwischenzeit werden neue Studien erwartet, die gerade nierenkrebsspezifische Fragen beantworten sollen.

Weitere Informationen zu laufenden Studien bei Nierenkrebs finden Sie hier: Studien finden

2. Suchen Sie so genannte Compassionate Access Programme

Manche Checkpoint-Hemmer könnten aus humanitären Gründen zur Verfügung stehen. Einige Unternehmen haben so genannte Compassionate Access Programme oder erweiterte Zugangsprogramme ins Leben gerufen. In diesen Programmen können Ärzte einen frühzeitigen Zugang zu den neuen Arzneimitteln beantragen. Das ist ein sehr komplexer Vorgang, variiert je nach Land, unterliegt kurzfristigen Änderungen und erfordert eine Menge Papierkram. Die Patientenorganisation in Ihrem Land kann Sie sicherlich bezüglich Compassionate Access Programmen in Ihrer Region unterstützen. Für eine Liste der Patientenorganisationen, klicken Sie hier: Patientenorganisationen

3. Erwerben Sie die Medikamente durch eine private Krankenversicherung oder auf eigene Kosten

Die Kosten für diese neuen Medikamente sind sehr hoch. Ca. 150 000 Euro im Jahr sind durchaus zu erwarten. Es ist noch nicht klar, ob Versicherungen diese Kosten übernehmen oder nicht. Abhängig von den Gesetzen in dem Land, in dem Sie leben, können Sie die Medikamente eventuell selbst bezahlen und sich dann verabreichen lassen. Sprechen Sie aber bitte immer mit Ihrem behandelnden Arzt, bevor Sie Medikamente aus der eigenen Tasche bezahlen. Vielleicht gibt es ja doch eine passende klinische Studie oder ein Compassionate Access Programm, das für Sie in Frage kommt.